In der Zeit um den 8. Dezember findet jährlich im Pfarrheim Geboltskirchen die große Ausstellung der Krippenfreunde statt. Es ist dies eine Krippenausstellung der besonderen Art:  alle Krippen, die hier ausgestellt werden, sind im selben Jahr in den Krippenbaukursen im Frühjahr und Herbst entstanden.


50 Krippenbauer stehen Dienstags oder Donnerstags von 19.00 bis 22.00 Uhr an einem der Werktische in der Oö. Landeskrippenbauschule Geboltskirchen und basteln an ihren Kunstwerken. Ob orientalische oder heimatliche Krippen, Wurzelkrippen, Fensterkrippen oder eine neue Krippe für die Pfarrkirche, jeder kann hier seine Vorstellungen umsetzen.


Erfahrene Krippenbaumeister mit ihren Helfern stehen mit Rat und Tat zur Seite. Und wenn so mancher glaubt, seine Krippe bis zur Ausstellung nicht fertig zu bringen, dann wird halt an so manchem Samstag eine Sonderschicht eingelegt. Bis jetzt ist noch jede Krippe fertig geworden.

 

Als „Vater“ des Krippenbaues in und um Geboltskirchen gilt der aus Ebensee stammende Krippenbaumeister Josef Ahammer, der im Jahr 1999 den ersten Krippenbaukurs in Geboltskirchen mit 8 Teilnehmern abhielt und die hier gebauten Krippen auch gleich in einer Krippenausstellung im Pfarrheim der Bevölkerung präsentierte. Die Begeisterung über die einzigartigen Krippen war so groß, dass ein richtiger Krippenbau-Boom entstand und man am  23. Mai 2003 einen Krippenverein gründete, dem der Gastwirt - und seit 2008 auch  Krippenbaumeister - Karl Groiß als Obmann mit ca. 170 Mitgliedern vorsteht.

 

Als im Jahr 2005 die Chance geboten wurde, eine oberösterreichische Landeskrippenbauschule zu errichten, ergriff man die Gelegenheit beim Schopf, bewarb sich und erhielt den Zuschlag. Dank der großartigen Unterstützung der Gemeinde unter Bgm. Alois Kastner  konnte sofort mit dem Ausbau des Dachgeschosses der Volksschule begonnen werden. Schon am 2. Juli 2006 feierte man mit einem großartigen Fest die Eröffnung dieser Landeskrippenbauschule, deren erster Leiter natürlich Josef Ahammer war.

 

Noch im selben Jahr wurde ein Meisterlehrgang mit acht Teilnehmern abgehalten und im Jahr 2007 die ersten Prüfungen zum Krippenbaumeister abgelegt. Kein Honiglecken, da diese Ausbildung vier Jahre dauert und ein erhebliches Opfer an Freizeit verlangt. So muss der Teilnehmer zwischen den Lehrgängen sein Wissen und Können in den Krippenbaukursen an unerfahrene Krippenbauer weitergeben. Mittlerweile hat sich Josef Ahammer etwas zurückgezogen und im Jahr 2007 die Leitung der Schule an Krippenbaumeister Wolfgang Seiringer, einem Mann der ersten Stunde im Geboltskirchner Krippenbau, übergeben. Er und seine Helfer schaffen es, durch ihr Engagement und Können die Geboltskirchner Krippen weit über alle Grenzen bekannt und bestaunenswert zu machen. Gut und gerne 800 Krippen wurden schon gebaut. So mancher kommt davon nicht mehr los und baut zuhause fleißig weiter - bis zu 28 Krippen stehen in so manchem Haus, von denen aber keine verkauft wird, weil jede ein Unikat für sich ist.

 

Aber nicht nur Krippenbau- und Meisterkurse werden abgehalten, so finden auch laufend Hintergrundmalkurse, Krippenfigurenbastelkurse und Schnitzkurse sowie Weiterbildungsseminare für Krippenbaumeister statt. Im Laufe der Zeit soll natürlich das Kurs- und Seminarangebot noch erweitert werden. Besonders erwähnenswert, was das Engagement der Vereinsmitglieder betrifft, ist die Abhaltung von Krippenbaukursen mit den Kindern der umliegenden Volks- und Hauptschulen, die zu Weihnachten wirklich schöne Krippen mit nach Hause nehmen können. Insgesamt werden jährlich ca. 100 Kinderkrippen mit Unterstützung des Krippenvereines gebastelt.

 

Ganz großen Wert legt der Verein auch auf die Pflege und Erhaltung alter Krippen, so wurden z.B. die Krippen der Pfarrkirchen Altenhof, Andorf und Geboltskirchen unter fachkundiger Leitung renoviert und für die Pfarren Aichkirchen und Kematen am Innbach neue Kirchenkrippen gebaut.

  

Da sich im Vorraum der Krippenbauschule die Ahammer-Landschaftskrippe - eine in 15-jähriger Bauzeit errichtete 10 m² große heimatliche Krippe im Ebenseer Stil - befindet, werden auch ganzjährig Führungen durch die Landeskrippenbauschule angeboten und reichlich genutzt.

 

Einen wichtigen Platz im Verein nehmen gemeinsame Veranstaltungen ein. So wird jährlich Anfang Jänner ein Vereinsausflug in Verbindung mit Krippen durchgeführt, an dem jedes Mal ca. 50 Krippenfreunde teilnehmen. Im Mai treffen sich die Krippenfreunde zur Maiandacht, im Juni werden gemeinsam Wurzeln gesammelt und im Herbst mit den Familien gewandert. Natürlich im Hausruck, und unter der Führung von Obmann Groiß, in dessen Gasthaus der Wandertag abgeschlossen wird. Natürlich werden auch Veranstaltungen und Ausstellungen anderer Krippenvereine in Österreichund im Ausland besucht.

 

Im Jahr 2009 kaufte die Gemeinde Geboltskirchen das alte, desolate „Ölerhaus“ und stellte es dem Krippenverein zur Nutzung als Museum, Landesarchiv und Materiallager zur Verfügung. Die Krippenfreunde beschlossen, das Haus über einen Zeitraum von 5 Jahren zu renovieren und das Land Oberösterreich stellte eine großzügige Förderung in Aussicht . Im Jahr 2010 fanden die ersten Renovierungsarbeiten statt und mit Jahresende konnte die Scheune schon zum Lagern der zahlreichen Wurzeln, Holzplatten u.a. verwendet werden.